Herkunft: unbekannt
Am Anfang sind die Entwicklungsstufen und Fortschritte deutlich erkennbar: Laufen, Sprechen, Schreiben. Dementsprechend kann auch die Umwelt auf diese Phasen angemessen reagieren, indem sie unterstützt, fördert, lobt - und zwischendurch Pausen ermöglicht.
Später finden viele Prozesse innerlich statt. Der Blick auf die Eltern ändert sich, und damit auch das eigene Erwachsenwerden. Man durchlebt eine berufliche Krise und überdenkt daraufhin den eigenen Arbeitsstil. Nach einer schwierigen Beziehung erkennt man eigene Muster und löst diese auf. All das sind anstrengende "Lerneinheiten" mit allem, was vom Lernen bekannt ist: Anfangs geht es recht zügig mit den Erkenntnissen, dann plötzlich eine Plateauphase, in der nichts passiert, vielleicht auch Rückschritte und dann geht es langsam wieder voran, bis sich der neue Stoff gefestigt hat.
Diese Festigung braucht Zeit. Wer ein Musikinstrument oder eine Sportart erlernt, kennt das: immer wieder wiederholt man bestimmte Bewegungsabläufe oder Tonfolgen, bis Kopf und Körper diese Vorgänge verinnerlicht haben. Wer zu schnell weiter macht, merkt oft später, dass er die frühen Lektionen doch noch einmal üben muss. Und wer zu schnell weiter macht, baut sich selbst Frust auf: anstatt dass er sich eine Zeit lang ausruht auf dem Gefühl "das kann ich jetzt", begibt er sich direkt zur nächsten Aufgabe und damit wieder auf den Punkt "ich kann kaum etwas."
Diese Lernstrukturen lassen sich auf die Entwicklungsphasen des Lebens übertragen. Auch hier ist es ratsam, neue Erkenntnisse, Verhaltensweisen und Gefühle Schritt für Schritt zu lernen und so oft zu wiederholen, bis sie zur Routine geworden sind - und dann eine Zeit lang damit zu leben, ohne bereits die nächste Herausforderung anzugehen.
Wer z.B. durch eine Therapie erkannt hat, wieso er immer wieder zum Opfer wurde, der braucht Zeit (und Kraft), die daraus entstehenden neuen Verhaltens- und Denkmuster anzuwenden. Er wird zwischendurch vielleicht stagnieren, es mag kleine Rückfälle geben und eines Tages ist das neue Verhalten selbstverständlich geworden.
Die meisten Menschen brauchen, nachdem sie eine neue Stufe (im Beruf / der inneren Wahrnehmung / des Verhaltens... - was auch immer) erreicht haben, Wiederholungen, (Eigen-)Lob und eine Pause.
Da diese Stufen von der Außenwelt nicht immer wahrgenommen werden, passiert es, dass ein Mensch durch externe Einflüsse vor neue Aufgaben gestellt wird - zu einer Zeit, in der er sich noch von der vorhergegangenen Entwicklungsphase erholt. Die Außenwelt will einen weder überfordern noch auf die Probe stellen: oft weiß sie nichts von den vergangenen anstrengenden Zeiten. Daher ist es dann ratsam, die angetragenen Aufgaben durchaus wahr- und ernstzunehmen und gleichzeitig auf einen Zeitpunkt zu vertagen, an dem die inneren und äußeren Kräfte eine neue "Lebenslektion" tragen können.
© Barbara Burghardt